Vor ca. 6 Jahren habe ich meinen ersten Saugroboter gekauft, einen Technisat SR1. Hierbei handelt es sich um einen Roboter mit Lasernavigation, was heute quasi der Standard ist und dem Roboter ermöglicht, eine Karte der Wohnung zu erstellen und diese dann systematisch abzufahren. Grundsätzlich sind die Leistungsdaten des SR1 aus heutiger Sicht nicht mehr beeindruckend, aber er erziehlt nach wie vor ein für mich völlig zufriedenstellendes Reinigungsergebnis. Zusätzlich ist er vollständig lokal steuerbar und stellt sogar eine Weboberfläche bereit, in der man Diagnosedaten einsehen kann. Eine lokal arbeitende Home Assistant Integration (unter dem Namen „Romy“ – funktioniert aber auch für die anderen Modelle) ist ebenfalls verfügbar – beides ist heutzutage leider eine Rarität. Aufgrund dieser Tatsache spielt es auch keine große Rolle, dass mittlerweile (Mitte 2026) endlich die Server für die App abgeschaltet wurden, welche trotz der Insolvenz des eigentlichen Herstellers 2023 bis vor wenigen Monaten noch aktiv waren.
Der Roboter ist keine Eigenentwicklung von TechniSat, sondern ein Whitelabel-Modell der leider mittlerweile insolventen Firma Robart aus Österreich. Daher wurde er baugleich auch unter dem Namen MD 18861 bei Medion und als Romy C5 direkt von Robart angeboten – der Unterschied ist hier wirklich lediglich der Name und die Farben des Gehäuses.

Leider hatte der Roboter seit einiger Zeit das Problem, dass er immer schlechter Türschwellen überwinden konnte, was mit fortlaufender Zeit schlimmer wurde, bis er schlussendlich auch auf ebenem Boden nicht mehr geradeaus fahren konnte. Der Grund hierfür ist einfach feststellbar: bewegt man die Antriebsräder des Roboters mit der Hand, haben diese kaum Widerstand und man kann den Elektromotor nicht hören. Das liegt daran, dass im Getriebe der Antriebsmodule das Zahnrad auf der Antriebswelle des Rads nicht mehr fest steckt, sondern frei auf der Welle dreht – das passiert mit der Zeit, wenn ein Zahnrad nur auf die Welle gepresst wird. Als der Roboter neu und die Firma Robart noch existent war, hätte man hierfür neue Antriebsmodule als Ersatzteil bekommen können, aber mittlerweile ist das natürlich leider nicht mehr möglich.
Glücklicherweise lässt sich das Problem jedoch mit etwas Zeit verhältnismäßig einfach beheben, wenn man seinen lokal lauffähigen Roboter noch etwas weiterbenutzen möchte – genau das möchte ich in diesem Beitrag beschreiben.
Für diese Prozedur braucht ihr:
- Einen langen dünnen PH0-Kreuzschlitzschraubenzieher (z.B. aus einem Feinmechaniker-Set)
- 1-2 dünne Schlitzschraubenzieher (als Hebel)
- Uhu Endfest 300 Zweikomponentenkleber
- Schmierfett
- Wattestäbchen
- Reinigungsflüssigkeit (z.B. Isopropylalkohol)
- Gummi/Latexhandschuhe (da ihr den Kleber nicht auf den Händen haben wollt)
Der aufwändigste Teil ist schon beinahe das Öffnen des Roboters, da hier sehr viele teilweise tief eingelassene Schrauben gelöst werden müssen. Bevor ihr damit anfangt solltet ihr aber den Staubbehälter sowie die Batterie herausnehmen, letzere versteckt sich hinter einer Klappe auf der Unterseite, die sich mit zwei Schrauben lösen lässt.
Um den Roboter zu öffnen, müsst ihr anschließend zunächst die 16 Schrauben am Außenring auf der Unterseite lösen. Entfernt dann noch den Plastikring auf der Oberseite (grau beim TechniSat, blau beim Medion), dieser ist nur gesteckt und lässt sich recht einfach lösen. Danach lässt sich der ganze Außenring des Roboters abnehmen. Bevor ihr weitermacht, empfiehlt es sich jetzt noch, die letzte Schraube auf der Unterseite zu lösen, welche sich unter dem kleinen Drehrad versteckt. Dieses könnt ihr mit einem oder mehreren Schlitzschraubenziehern oder ähnlichen flachen Gegenständen vorsichtig heraushebeln. Jetzt kommt der lange dünne Schraubenzieher ins Spiel, denn nun müsst ihr einige Schrauben auf der Oberseite des Roboters lösen, die sehr tief eingelassen sind. Anschließend könnt ihr die Oberseite des Roboters abnehmen und bekommt einen Blick auf das Innenleben. Vorsicht: die Oberseite ist mit der Steuereinheit des Roboters über ein Kabel verbunden, welches ihr erst abstecken müsst, um sie ganz zu entfernen.
Der innere Aufbau des Roboters ist verhältnismäßig einfach: vorne seht ihr die Steuereinheit des Roboters, welche über Kabel mit allen anderen Komponenten verbunden ist. Dankbarerweise sind diese Kabel alle gesteckt und nicht gelötet, weshalb sie sich einfach entfernen lassen – das ist natürlich für den Ausbau der Antriebsmodule wichtig. Diese seht ihr links und rechts im Roboter und sie lassen sich mithilfe von 5 Schrauben entfernen. Um das Getriebe mit dem daran befestigten Motor aus dem Gehäuse zu nehmen, müsst ihr dann noch z.B. mit einem Schraubenzieher den Metallstift herausdrücken, der dafür zuständig ist, dass das Rad nach oben und unten federn kann. Jetzt habt ihr das Getriebe mit dem daran befestigten Rad und dem Elektromotor in der Hand.
Das Getriebe lässt sich über 4 Schrauben öffnen – achtet dabei darauf, dass die Gummidichtung nicht verloren geht. Im Inneren seht ihr einige Zahnräder, relevant ist für uns aber nur das große Zahnrad auf der Antriebswelle, auf der auch das Rad sitzt. Wenn ihr nun versucht, das Rad vorsichtig zu drehen, könnt ihr sofort das Problem sehen: die Antriebswelle dreht sich frei und überträgt die Kraft nicht auf das Zahnrad bzw. das Getriebe.
Wenn das Zahnrad bereits so lose ist, dass der Roboter im Kreis fährt oder gar keine Schwellen mehr hinauf kommt, könnt ihr es sehr einfach von der Welle lösen, es sollte nur eine ganz leichte Hebelanwendung mit einem Schraubendzieher reichen. Danach könnt ihr auch das Rad mit der daran befestigten Antriebswelle herausnehmen. Nun solltet ihr sowohl die Antriebswelle als auch das Innere des Zahnrads gründlich reinigen, ich habe hierfür Isopropylalkohol und Wattestäbchen verwendet – das ist natürlich wichtig, damit der Kleber später hält.
Anschließend könnt ihr den Kleber anmischen – spätestens jetzt empfiehlt sich das Tragen von Handschuhen, da der Kleber auf der Haut ziemlich unangenehm werden kann. Den angemischten Kleber könnt ihr dann auf die Auflagefläche des Zahnrads (erkennbar an den Rillen) sowie auf die Innenseite des Zahnrads selbst aufbringen, ich habe auch hierfür wieder ein Wattestäbchen verwendet. Achtet darauf, dass der Kleber sonst nirgends hinkommt. Danach steckt ihr die Antriebswelle und das Zanhrad wieder zusammen.
Jetzt muss der Kleber noch aushärten – zu empfehlen ist hierbei, das bei etwas Hitze zu machen, weil er so fester wird. Macht es aber nicht zu heiß! Mehr als 100c kann leicht das Plastik anschmelzen bzw. verziehen. 70-80 Grad im Ofen für 45 Minuten sollten in Ordnung sein. Nach dem Abkühlen sollte der Kleber schon fest genug sein, damit ihr nach dem Wiedereinsetzen der restlichen Zahnräder vorsichtig am Rad drehen könnt – nun sollte die Achse nicht mehr frei drehen. Anschließend (je nachdem, wie viel ihr davon weggewischt habt) empfiehlt es sich nur noch, etwas Schmierfett in das Getriebe zu geben – nun könnt ihr alles wieder zusammensetzen.
Sofern das Rad auf beiden Seiten frei dreht, macht es natürlich Sinn, diese Prozedur auf beiden Seiten zu vollziehen. Das war’s dann auch schon, nun muss der Roboter „nur noch“ wieder zusammengesetzt werden. Ich hoffe, dass ich vielleicht noch dem Einen oder Anderen mit dieser Beschreibung helfen konnte, das Leben seines Saugroboters zu verlängern.


